Historisches Fechten – Langes Schwert

„Ein Schwacher mit seiner Kunst und List siegt so schnell wie ein Starker mit seiner Stärke.“
Anonymer Autor, 14. Jahrhundert

Mehr als nur ein „wildes Geprügel“

Fechtbücher des 14. bis 17. Jahrhundert sind Vorlage und Inspiration für das heutige Fechten im Langen Schwert. Die europäische Fechtkunst braucht sich vor den asiatischen Kampfkünsten nicht zu verstecken. Hiebe, Stiche, Schnitte, Schritte und Huten ergeben ein ausgeklügeltes Fechtsystem.

Transport in die Neuzeit

Ein Zitat aus der Startseite der SchwertRing-Homepage erklärt unsere Philosophie:

Die Hauptaufgabe des SchwertRings ist die Etablierung eines Qualitätsstandards im Historischen Fechten in verschiedenen Bereichen:

  1. Historie & Technik: Forschung ohne fremde oder eigene Tabuthemen und Dogmen mit dem Ziel, historische Fechttechniken zu vermitteln, welche überliefert und funktional sind.
  2. Menschlichkeit: Eine lockere Atmosphäre im Training ist eines unserer Grundanliegen. Die Fechtschule ist nach historischem Vorbild ein Ort der Begegnung, des Austausches und Wachstums.
  3. Sicherheit: Diese steht an erster Stelle, weshalb Freikämpfe prinzipiell mit verminderten Krafteinsatz geführt werden. Wir sehen den Hauptnutzen der Fechttradition nicht in ihrer Realitätstreue (sprich Waffengewalt) oder Abhärtung, sondern in dem, was sie „transportiert“.

Die Urprünge

MeinSchwertDie Ursprünge der Fechtbücher gehen auf die Fechtschule des Johannes Liechtenauer zurück, welcher seine Lehren mündlich in Versform an seine Schüler weiter gab. Erst die späteren Fechtmeister Ringeck, Danzig und andere schrieben diese Verse nieder und kommentierten (glossierten) diese. Liechtenauer hatte seine Verse – man könnte sagen – verschlüsselt oder genauer – er hatte absichtlich Fehler eingebaut. So konnten Fechter die nicht bei ihm in die Lehre gingen, die Lehrverse nicht richtig interpretieren.

Wie aus den Fechtbüchern hervorgeht, hatte Liechtenauer wahrscheinlich auf Reisen verschiedene Fechtstile zusammengetragen und zu seinem eigenen System ausgebaut.

Keine Lehrbücher

Die Fechtbücher waren nicht als Lehrbücher konzipiert, sondern mehr als Manuskripte zur Gedächtnisstütze. Die Grundlagen waren nicht enthalten, so dass heutige Langschwertfechter diese neu „erfinden“ oder aus dem modernen Sportfechten übertragen müssen.

Die in den Fechtbüchern beschriebenen Techniken können jedoch recht gut umgesetzt werden. Zusammen mit den erarbeiteten Grundlagen wird so das Historische Fechten rekonstruiert.

Ein moderner Sport?

In Fechtschulen wie z.B. Krîfon1, wird aus dem Historischen Fechten nicht nur eine moderne Sportart. Das Historische Fechten kann und soll zur Charakterbildung beitragen. Hierzu werden Lehrsprüche und Vorreden der Fechtbücher herangezogen. Dabei wird jedoch nicht mit erhobenen Zeigefinger agiert. Inwieweit man sich auf die vielen Aspekte des Historischen Fechtens einlässt, bleibt jedem selbst überlassen.

Im Training wird meistens mit dem Stahlschwert (stumpfes Schaukampfschwert) geübt. Die Freikämpfe werden dann mit leichteren Trainingswaffen, wie Kuststoff-Wastern oder Fechtfedern durchgeführt. Außerdem wird moderne Sportkleidung und Schutzausrüstung, wie z.B. Fechtmasken aus dem Sportfechten getragen, aber keine Mittelalterkleidung – auch keine mittelalterlichen Helme, Kettenhemden oder Rüstungen. Die fortgeschrittenen Schüler tragen bei den Freikämpfen gerne eine spezielle Fechtjacke für das Langschwertfechten.

Das Historische Fechten im Langen Schwert kann also alles andere sein als ein Anbeten verstaubter Schriften.

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  1. Krîfon – Schule für Historische Fechtkunst 

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